La Sebastiana und die Grenzräume des Paradieses
  Meine Teilnahme an der Hommage chilenischer Künstler zum Anlass des Jubiläums des Dichters und Nobelpreisträgers Pablo Neruda.

Das Fundament will der Grundstein sein, um eine künstlerische Serie zu entwickeln, in der diese Beobachtungen in einer freien Art bewältigt werden. Es werden die Konzepte Distanz und Zeit bearbeitet, von einem Raum der Intimität ausgehend, in diesem Fall der eines universellen Dichters. Die Stadt Valparaíso wurde im Jahr 2003 von UNESCO zum Kulturerbe der Menscheit ernannt. Ich unterscheide drei Grenzräume in der poetischen Form, wie Pablo Neruda wohnt.

1. GRENZRAUM des NAHELIEGENDEN oder der ERINNERUNG

Es ist wohl bekannt, dass Neruda ein leidenschaftlicher Sammler war, dem es Spaß machte, sich mit Zeugnissen verschiedener Kulturen zu umgeben, mit Masken und mit Skulpturen, und der in meisterhafter Weise seine Neigung zu Kitsch oder Exzentrizität in Fotografien und dekorativen Gegenständen und in auserlesenen Möbelstücken miteinander verband.
Seine mit Büchern vollgestopfte Alltagswelt zeugte von einer visuellen Vielschichtigkeit, die uns sehr wohl übertrieben erscheinen mag, die aber auch das Bedürfnis Nerudas überdeckt, sich mit dem Schönen im vollsten Sinne des Wortes vollzusaugen. Diese Poetik des Alltäglichen ist es, die ihn durch seine eigene Konstruktion der Vielfalt an einem "Fest der Sinne" teilhaben lässt, von dem sich - wie wir alle wissen - der Künstler nährt.
Seine Sammlungen erzählen also von seinen Reisen und zeugen von längst vergangenen Kulturen und Zeiten. Sie schaffen eine Vertrautheit, die mit den Bildern der VERGANGENHEIT immer größer wird.

2. GRENZRAUM DES SCHWINDEL ERREGENDEN SEINS oder der GEGENWART

Pablo Neruda hatte eine große Liebe zu den Objekten der Architektur. Ganz abgesehen vom individuellen Geschmack ist offensichtlich, dass er - was sein Haus in Valparaíso, die sogenannte Sebastiana, angeht und was für unsere Problemstellung von grundlegender Bedeutung ist - ein Haus in einer ganz außergewöhnlichen Lage in seinen Besitz bringen konnte. Die Sebastiana orientiert sich am Höhenrausch von Valparaíso, entsteigt ihrem Inneren, um sich in ein Haus mit Balkon zu wandeln, das ein Subjekt gewordener Zeuge des vertikalen Raums von Valparaíso sein will.
Neruda kaufte die Immobilie von einem spanischen Erbauer (Sebastián Collado), der sie halbfertig stehen gelassen hatte, als der Tod nahte, ein Haus voller Treppen und nicht beziehbarer Wohnebenen, wie etwa ein drittes Stockwerk für die Vögel und eine Dachterrasse als Hubschrauberlandeplatz. Die Veränderungen, die von dem "Architekten Neruda" vollzogen wurden, reihen das Haus in die sogenannte "Spontanarchitektur" von Valparaíso ein, welche von Einwohnern auf den Hügeln der Stadt selbst in die Hand genommen wird, wenn es darum geht, den Wohnraum zu vergrößern, und welche auf Grund der topographischen Gegebenheiten in interessanter Weise ein diffuses Ganzes bildet.
Dieser zweite Raum, ein Raum in der vertikalen Leere der Stadt, ist es, den der Dichter nach Art eines Voyeur in seinem städtebaulichen Werden von seinem wohl gewählten und privilegierten Standort aus betrachten will.

3. GRENZRAUM des HORIZONTS oder der ZUKUNFT

Der dritte Grenzraum des in der Sebastiana wohnenden Dichters ist der Horizont. Die Fenster der Sebastiana sind wie alle Häuserfassaden auf den Hügeln Valparaísos aufs Meer gerichtete Augen. Von den verschiedenartigsten Balkonen, Promenaden oder Eckpunkten aus kann der Betrachter in gewollter Ruhe oder in ungewollter Überraschung seinen Blick aus einer fast erdrückenden Nähe in eine befreiende Ferne schweifen lassen. Dies ist die Art und Weise, in der die Bewohner der Hafenstadt ihren Träumen Flügel bereiten. Und von den Hügeln aus hat man immer den Ruhe stiftenden Abstand, den die Höhe uns schenkt. Für diejenigen, die hoch über dem Meer wohnen, ist der Horizont über dem Meer eine Linie, die beiden eine gemeinsame Kontinuität verleiht.
Pablo Neruda verzichtet nicht auf die Möglichkeit, sich aus der Nähe seiner Welt, die voll von kultureller Vergangenheit ist, sich der Weite des Ozeans zuzuwenden; dort ist der Horizont erhöht und wird zu einer magischen Zeitlinie, welche Schiffe aus entfernten Häfen auftauchen und andere in künftige Abenteuer eintauchen lässt. Dabei trägt er die Träume des zurück bleibenden Betrachters, der dieses Kommen und Gehen betrachtet, mit sich davon.

Mit dem Thema zusammenhängenden Webseiten:

www.centenariopabloneruda.cl, -"Sie finden unter "Residencias en la tierra", Videos von der Häusers Nerudas.
www.lasebastiana-neruda.cl, OffizielleWebseite von la Sebastiana.
www.rutavalparaiso.cl, Schöne Seite Valparaísos
www.valparaisochile.com Video und sehr gute Fotos wie "panoramas"von Valparaiso des
Fotograf Mathias Wilkendorf .


Die Grenzräume des Paradieses

Ich glaube an kein Paradies. Aber ich kenne Orte, die vielleicht idealisiert sind und doch meinen visuellen Horizont inspirieren, und der wichtigste ist zweifellos die Stadt, in der ich geboren wurde.
Valparaíso (Tal des Paradieses), das sich mit der Stadt Viña del Mar (der "Schönen") eine Meeresbucht teilt, bildete den Rahmen meines Lebens, bevor ich das Land verließ.
Valparaíso ist der Ort, der in meinen Gedanken, Erinnerungen und immer wiederkehrenden Träumen allgegenwärtig ist und mir durch seine vielfältigen räumlichen Möglichkeiten und seine verrückt anmutende Architektur Orientierung für mein heutiges künstlerisches Streben bietet.
Dieser Ort bietet mir die Möglichkeit, über Begriffe wie Horizont, Höhenunterschiede und Kontraste nachzudenken - ob wir sie nun der bildhaften Sprache oder der Darstellung des Lebens in seinem weiteren Zusammenhang zuzuordnen sind, in den auch menschliche
Aspekte und die sich daraus ergebenden Beziehungen mit einfließen.
Wie schon im Zusammenhang mit Neruda erwähnt, ist es also sowohl der innere als auch der äußere Raum und die Grenzen zwischen beiden, die mich antreiben.
Die "Grenzräume des Paradieses" - so habe ich ein Streben nach "Emporsteigen" genannt. Es ist eine Metapher dessen, was sich im Innern der Seele abspielt, wo unsere Gefühle, die sich aus unserer Lebensgeschichte ergeben, ihre Spuren hinterlassen und ans Licht drängen.

In den Grenzräumen des Paradieses stehen sich die visuellen Darstellungen dreier Dimensionen gegenüber:
1)Grenzraum der Seele: im Innern spiegelt sich die Vergangenheit wieder.
2)Grenzraum des Schwindel erregenden Taumels: das Fenster zur Gegenwart, zur Handlung.
3)Grenzraum des ahnenden Bewusstseins: der Horizont, an dem sich die Zukunft abzeichnet.

Übersetzung : Karl und Eva Heumann, Überlingen.